Die Leichtigkeit des Sein, oder "Mama, chü a bissl"

*Claudia

 

Letztes Wochenende, oder besser gesagt, fast die ganze letzte Woche stand unter dem Zeichen des Nova Rock, DAS Rockfestival und jeder der was auf sich hält, oder einfach nur vier Tage tun und lassen möchte was er will, ist dort und lässt, wie man bei uns so schön sagt, de Sau aussa. Und zwar so richtig!

 

Warum mich dieses Festival so beschäftigt, dass ich es sogar für wert befinde, darüber in mein „Tagebuch“ zu schreiben? Nun, erstmals fand mein Töchterlein ihren Weg in die Pannonia-Fields (die Stätte des Nova Rocks), um im tiefsten Burgenland ihrer, noch recht jungen Sau, den Weg nach draussen zu zeigen. Nicht das das noch nicht geschehen wäre auf der einen oder anderen Festivität, aber das Nova ist halt eine Liga für sich und jeder der mal 4 Tage durch exzessives Headbangen seine Nackenmuskulatur muskeltechnisch aufbauen möchte, fährt hin (Ich persönlich war ja noch nie dort, vielleicht ist mein Nacken deshalb so "schlaff"?...).

Abgesehen davon, ist es für die „Kids“ wahrscheinlich durchaus entspannend, mit 150.000 Gleichgesinnten zu feiern, besonders wenn niemand von den 150.000 deine Mutter ist. Nur der Ordnung halber möchte ich hier erwähnen, dass es für die nicht gleichgesinnte Mutter keinesfalls entspannend war...aber ja, man muss auch Loslassen können oder es zumindest versuchen und Allen, denen das noch bevorsteht sei gesagt: Es ist NICHT einfach, auch wenn das Kind selbst versucht, beruhigend auf die hochnervöse Mutter einzuwirken: „Mama, chü a bissl, mir passiert nix.“

Die erste Nova-Rock Nacht jedenfalls, die mein Kind gefühlte 10.000 Lichtjahre von Daheim entfernt verbrachte und nur die Enterprise in der Lage gewesen wäre, mich im Notfall zu meinem Kind zu bringen, war, nun ja, nicht gerade angenehm...(wahrscheinlich auch nicht für mein armes Kind, welches sich mit einer hysterischen Mutter am Handy auseinandersetzen musste). Die zweite Nacht wurde leichter und der darauffolgende Tag regte mich doch tatsächlich zum Nachdenken an. Beim Kartoffelgulasch umrühren ertappte ich mich dabei, wie ich doch tatsächlich ein kleines bisschen neidisch auf meine Tochter und ihre Freunde wurde: Ich will auch feiern, ich will auch Headbangen, ich will auch die (etwas ältere) Sau rauslassen!...Ich will auch nicht an morgen denken müssen....

Ist das der Grund, weshalb wir dann und wann so wenig nachsichtig mit unseren Kindern sind? Weshalb wir von ihnen vehement verlangen, sich doch gefälligst Gedanken über die Zukunft zu machen, endlich Verantwortung für ihr Leben zu übernehmen? Weil wir sie im Grunde unseres Herzens ein kleines Bisschen beneiden? Um ihre Jugend, um ihre Leichtigkeit, um die große weite Welt mit all den Abenteuern, die ihnen zu Füßen liegt? Ich befürchte fast...

Aber was wäre, wenn wir einfach auch mehr Leichtigkeit in unser Leben bringen? Nicht immer nur „Dienst nach Vorschrift“, einfach mal Sein und vorallem das Morgen sein lassen! Wo steht geschrieben, dass Erwachsene auch immer erwachsen tun müssen? Man ist so alt wie man sich fühlt und ich kann euch sagen, wenn ich zu den zauberhaften Klängen der Mahones durch die Luft springe, bin ich aller,allerhöchstens 16! Ich bin jung, ich bin leicht, die große weite Welt mit all ihren Abenteuern liegt mir zu Füßen und ich könnte juchazen vor lauter Glück und Freude am Leben!

Und auf einmal sehe ich mein Mädchen ganz anders...

 

„Actually, the best gift you could have given her, was a lifetime of adventures...“  Lewis Carroll, Alice im Wunderland

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Mutter_Barbara (Montag, 23 Januar 2017 20:15)

    Mahh so geil gschriebn :)